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Berechenbare Risiken – unberechenbare Politik? Warum Deutschland jetzt aus Worten Gesetze machen muss

Berechenbare Risiken – unberechenbare Politik? Warum Deutschland jetzt aus Worten Gesetze machen muss

politico.eu 09.10.2026 05:00 8 views
Mit berechenbaren Risiken kann die forschende Pharmaindustrie umgehen - mit politischer Unberechenbarkeit nicht. Warum eine Standortklausel nun ein erster Schritt in Richtung Verlässlichkeit am Standort Deutschland sein

In der Ökonomie gibt es eine fundamentale Unterscheidung, die für das Verständnis unternehmerischer Entscheidungen zentral ist: Das Risiko und die Ungewissheit. Risiko lässt sich berechnen, einpreisen, managen. Man kennt die Spielregeln – auch wenn man nicht weiß, wie das Spiel ausgeht.

Ungewissheit hingegen entzieht sich jeder Formel, weil sich die Spielregeln selbst immer wieder verändern. Wer neue Technologien entwickelt, Produktionskapazitäten aufbaut und langfristige Zukunftsprojekte anstößt, ist bereit, Risiken einzugehen. In kaum einer Branche zeigt sich das deutlicher als in der forschenden Pharma- und Biotech-Industrie.

Denn bis ein neues Medikament bei Patientinnen und Patienten in der Versorgung ankommt, vergehen 10 bis 15 Jahre milliardenschwerer Forschung und Entwicklung. Und die Wahrscheinlichkeit, auf dem Weg zu scheitern, liegt bei über 90%. Mit diesem Risiko können wir umgehen.

Es ist fester Bestandteil unseres Geschäftsmodells, das auf Innovation ausgerichtet ist. Es ist auch Voraussetzung für die bahnbrechenden Fortschritte, die in der Medizin in den letzten Jahren erzielt wurden. Was Zukunftsentscheidungen jedoch lähmt: Ungewissheit durch politische Sprunghaftigkeit.

Wer Zukunftsversprechen formuliert, im Alltag der Gesetzgebung aber vor allem den Rotstift an Innovation und Fortschritt ansetzt, konterkariert jegliche Industriepolitik und erstickt Vertrauen im Keim – da hilft das stärkste Signal nicht mehr. Genau diese erleben wir in der politischen Diskussion zuletzt zu oft. Genau diese Sprunghaftigkeit haben wir als forschende Gesundheitsindustrie in Deutschland in den letzten Monaten in aller Deutlichkeit zu spüren bekommen.

Auf der einen Seite ein ambitioniertes Bekenntnis zum Pharmastandort Deutschland im Koalitionsvertrag – eine Pharmastrategie unter der Regie des Bundeskanzleramtes. Auf der anderen Seite dann aber gravierende Eingriffe in bestehende Spielregeln. Eine Gesetzgebung, die einzig und allein darauf abzielt, wieder einmal Finanzlöcher auf Seiten der Kassen zu stopfen – maßgeblich auf Kosten der Industrie durch künstliche Preisdeckel und Zwangsrabatte.

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